Trogir, Split und Bled

Von gesundheitlichen Sorgen, schönen kroatischen Altstädten und slowenischer Spießigkeit

Vom Shkodrasee in Nordalbanien haben wir uns also auf die lange Reise nach Kroatien gemacht. Dass wir an einem Tag in vier unterschiedlichen Ländern sein würden, hat die Kinder sehr beeindruckt. Wegen der vielen Grenzüberquerungen zog sich die Fahrt dann auch ein bisschen. Zudem machte das Wetter Sperenzchen. Schon in Montenegro war der Himmel sehr schwarz gewesen und in den bosnischen Bergen mussten wir wegen eines heftigen Hagelsturms sogar kurzzeitig am Straßenrand anhalten. Die Hagelkörner flogen waagrecht gegen die Scheiben und der Lärm im Auto war ohrenbetäubend. Noch in Bosnien und Herzegowina wurde das Wetter dann aber wieder gut und an unserem Zielort in Kaštel Novi empfing uns strahlendes Wetter.

Die Unterkunft war eine sehr geräumige und gut ausgestattete Erdgeschosswohnung mit vier Schlafzimmern und riesigem Wohnzimmer, großer Terrasse, einem weiteren Sitzplatz mit Grill unter Weinreben und einem wirklich riesigen Aufstellpool, in dem man tatsächlich richtig schwimmen konnte. Es gab also an sich nichts auszusetzen, außer der Lage. Es gab einen Supermarkt gleich um die Ecke, aber ansonsten war die Gegend nicht so richtig ansprechend und zum Meer wäre es zum Laufen auch etwas weit gewesen. Ich hatte in der Gegend ewig nach Unterkünften gesucht und fand es in Kroatien deutlich schwieriger als in den anderen Ländern, schöne Unterkünfte in guter Lage zu finden. Zudem gab es eine massive Mückenplage – man konnte abends nicht draußen sitzen und wurde sogar tagsüber gestochen. Dafür kann aber natürlich die Unterkunft nichts. Die Vermieterin bzw. ihre Mutter haben sich rührend um uns gekümmert. Es gab schon bei unserer Ankunft Kuchen und Getränke im Kühlschrank, zwischendurch wurde Gebäck vorbeigebracht und Trauben durften wir uns so viele nehmen, wie wir wollten. Und die Kinder fanden den Pool sehr gut und wir haben bei 30 Grad viel geplanscht.

Allerdings waren diese letzten Urlaubstagen ein bisschen von Gesundheitssorgen geprägt. Die einen Sorgen betrafen die Familie daheim, zu der viele Gedanken gingen. Zudem kam Martin am ersten Nachmittag in Kroatien, für den wir eigentlich einen Ausflug nach Split angedacht hatten, auf einmal humpelnd und mit schmerzverzerrtem Gesicht vom Einkaufen zurück, weil er sich beim Versuch, eine Felsstufe hinunterzusteigen, wohl einen Muskelfaserriss in der Wade zugezogen hat. Gehen konnte er jedenfalls erstmal nicht, sondern hat versucht, den Schmerz durch Kühlen und Hochlagern des Beins in den Griff zu kriegen. Und kurz bevor die Kinder und ich dann zu einem alternativen abendlichen Ausflug ins (mit dem Auto) zehn Minuten entfernte Trogir aufbrechen wollten, kam auf einmal ein schreiender Jonathan angelaufen, den es überall am Körper juckte. Die Kinder waren davor ausgiebig im großem Feigenbaum herumgeklettert und hatten Feigen gepflückt. Während das hysterische Kind ausgiebig geduscht hat (und dabei in seiner theatralischen Art „Das ist die Hölle!“ auf die beschlagene Duschwand geschrieben hat), habe ich ergoogelt, dass man tatsächlich allergisch auf Feigenbäume reagieren kann. Wissen wir das jetzt also auch und werden Jonathan zukünftig von Feigenbäumen fernhalten. Gut, dass wir kürzlich erst einen in den Garten gepflanzt haben. Nachdem es Jonathan dann schließlich nur noch ein bisschen juckte, konnten wir endlich nach Trogir fahren. Und Trogir war sehr nett. Wir waren auf dem Kirchturm, den die Kinder allerdings wegen des offenen Treppenhauses und der großen Glocken unheimlich fanden. Die verkehrsberuhigten Gässchen der Altstadt und die Uferpromenade fanden wir aber alle gut und auch die kleine Burg hat uns gefallen. Nach einem Eis ging es dann wieder zurück in die Ferienwohnung.

Am nächsten Tag ging es Martins Wade etwas besser und wir haben beschlossen, einen gemeinsamen Ausflug nach Split zu wagen. Split ist deutlich mehr Großstadt als das beschauliche Trogir, aber die Altstadt ist ebenfalls verkehrsberuhigt und außerdem UNESCO Weltkulturerbe, weil sie in Teilen in einem Palast des römischen Kaisers Diokletian gebaut ist. Martin ist also einmal durch die Altstadt zur Promenade gehumpelt. Die Kinder und ich sind die Promenade dann auch noch entlang spaziert und haben die Stufen zur ersten Aussichtsplattform im Stadtpark Marjan erklommen. Im Marjan könnte man auch richtig ausführlich wandern und es sah sehr nett aus dort. Wir sind aber wieder zurück in die Altstadt gegangen und haben da in der Pizzeria Portas sehr leckere Pizza gegessen, die keine zehn Minuten nach der Bestellung auf dem Tisch stand. Eis gab es anschließend natürlich auch noch und so hatten wir einen schönen letzten Abend in Kroatien.

Am nächsten Tag waren dann nochmal fünf Stunden Fahrt zu unserer Zwischenübernachtung in Slowenien angesagt. Das war eine perfekt ausgestattete und blitzsaubere Wohnung in einem kleinen Ort eine Viertelstunde von Bled entfernt. Da sind wir dann auch abends noch hingefahren und haben unser Auto für viel Geld am schönen See geparkt. Der Bleder See, an dem wir vor einigen Jahren schon mal mit dem damals zweieinhalbjährigen Jonathan waren, ist mit dem Blick auf die Insel mit Kirche und die Burg wirklich sehr hübsch. Allerdings ist Bled schon auch etwas spießig und Jonathan und ich hatten viel Spaß beim Studieren der ganzen Verbotsschilder, die in unzähligen Ausführungen überall in Bled herumstehen. Wir waren ein bisschen am See spazieren, auf dem Spielplatz und in der ebenfalls sehr schönen Pizzeria Rustika Pizza und Burger essen und hatten einen schönen letzten Urlaubsabend, bevor es am nächsten Tag zurück nach Hause ging.

Gut gefallen hat mir dieser Balkan-Trip. Ich mag den Balkan einfach sehr. Montenegro war viel teurer als Bosnien und Herzegowina oder Albanien, aber die Orte, an denen wir waren, waren landschaftlich und kulturell total interessant. Kotor ist eine tolle Stadt, der Durmitor Nationalpark hat meine Erwartungen weit übertroffen und auf der Ada Bojana war es sehr besonders. Die Grenzüberquerungen waren alle kein großer Aufwand und dank eSIM ließ sich auch die Internetabdeckung ganz gut lösen. Insgesamt war es vielleicht ein bisschen viel Fahrerei für drei Wochen, aber ich hätte jetzt auch keinen der besuchten Orte missen mögen. Und es gibt auch noch genug weitere spannende Orte zu entdecken, so dass der Balkan uns auch bestimmt nochmal wiedersehen wird in den nächsten Jahren.

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