Von hohen Festungen, schnellen Booten und Feuerwerk in der schönen Bucht
Aus dem südlichen Bosnien und Herzegowina ging es also mit einem Mittagsessensstopp in Trebinje in Richtung Montenegro. Die R429 führte uns mitten durch die Berge und schließlich über die Grenze, wo zum Glück auch nicht besonders viel los war – am Grenzübergang zu Kroatien gibt es dagegen wohl immer sehr lange Wartezeiten. Der erste Blick auf die Bucht von Kotor war wunderschön, dafür ging es dann aber ab Herceg Novi nur noch eher langsam voran – es sind einfach viel zu viele Autos unterwegs für die kleine Küstenstraße.



So gegen halb 6 waren wir dann aber glücklich in unserem Zuhause für die nächsten drei Tage angekommen – einer Ferienwohnung in Dobrota. Die liegt super, weil man von ihr aus in zwei Minuten am Meer und in 15 Minuten zu Fuß in der Altstadt von Kotor ist. Und mit dem Auto fahren möchte man in Kotor wirklich nicht – die Straße nach bzw. durch Kotor ist zu jeder Tages- und Nachtzeit übervoll und alle Autos bewegen sich nur im Schritttempo. Und auch generell ist es eine schöne Wohnung und vom Balkon hat man einen hübschen Blick auf die Bucht. Ich war ganz happy als ich die Wohnung gefunden hatte, in Kotor hatte ich nämlich am allerlängsten nach etwas Passendem gesucht gehabt. Direkt vor der Wohnung liegt sogar eine richtige Promenade, auf der man hübsch am Wasser entlang gehen kann. Leider ist die nur so 800 Meter lang und den Rest des Wegs Richtung Altstadt muss man auf dem Fußweg neben den stinkenden Autos laufen.



Wir sind dann gleich am ersten Abend in Richtung Altstadt aufgebrochen. Da waren viele Leute unterwegs, aber die Stimmung war sehr schön und die leuchtenden Gässchen und die über der Stadt thronende Festung wirklich extrem beeindruckend. Es war ein Gewitter angekündigt gewesen, es blieb aber bei dunklen, tiefstehenden Wolken ohne Regen. Die Kinder haben sich über die vielen Katzen gefreut, die überall in Kotor unterwegs sind, und kamen allein bei diesem Altstadt-Besuch auf etwa 20 gezählte Tiere.



Am nächsten Morgen grollte weiter das Gewitter und die Wolken hingen dunkel über der Bucht. Wir hatten uns also auf einen eher ruhigen Tag eingestellt. Nachdem es aber dann endlich geregnet hatte, kam die Sonne raus und wir haben recht spontan beschlossen, uns dann doch auf den Weg hoch zur Festung zu machen. Ausgerüstet mit Börek und viel Wasser haben wir also die 1350 Stufen in Angriff genommen. Es war weniger los als gedacht, vielleicht noch wegen des schlechten morgendlichen Wetters, vielleicht weil der Eintritt seit Kurzem 15 Euro (für Erwachsene) kostet und vielleicht auch, weil an dem Tag kein Kreuzfahrtschiff vor Kotor vor Anker lag. (Am nächsten Tag dann schon und die sind einfach so riesig, die versperren den kompletten Blick auf Kotor.) Die Kinder waren voll bei der Sache und Sophie zusätzlich motiviert, weil uns ein italienischer Vater mit seiner fünfjährigen Tochter als Reisebegleitung auserkoren hatte. Sein Plan war wohl, dass die beiden Mädchen sich dann gegenseitig zum Weiterlaufen motivieren würden und das hat auch tatsächlich gut geklappt. Der Weg war sehr anstrengend, der Blick auf die Bucht dafür aber auch wunderschön. Wir haben knapp eine Stunde nach oben gebraucht, da dann etwas gerastet und uns dann wieder an den Abstieg gemacht.



Danach waren wir ganz schön platt und haben erstmal Hör- und Lesepause in der Wohnung gemacht. Nachmittags bin ich mit den Kindern kurz ins Meer gehüpft – man kann sich zwar nirgends besonders schön am Meer aufhalten, weil sich überall die Autos fast direkt hinter den schmalen strandähnlichen Passagen stauen, aber für eine kurze Abkühlung ist es ziemlich in Ordnung und wir haben sogar eine Badestelle direkt an unserer Uferpromenade gefunden. Abends haben wir dann die Promenade in die andere Richtung, also Richtung Norden erkundet. Auch da endet sie relativ bald und man muss die (kleinere) Küstenstraße entlang gehen. Auf der war aber in die Richtung und zu der Uhrzeit zum Glück kaum etwas los und so war es ein netter Spaziergang mit schönem Blick auf die abendlich leuchtende Bucht.



Am nächsten Tag wollten wir dann gerne eine Bootsfahrt machen, allerdings nicht die dreieinhalbstündige Standardfahrt, die quer durch die komplette Bucht und bis zu einer Blauen Grotte führt, weil wir gelesen hatten, dass sich da in der Hauptsaison die Motorschiffe in der Grotte drängen und man dann inmitten des ganzen Gestanks sitzt. Wir wollten eigentlich nur nach Perast, das der Reiseführer als sehr schön beschrieben hatte. Das hatte ich ursprünglich als Halt auf der Rückfahrt eingeplant, aber schon bei der Hinfahrt hatten wir gesehen, dass die Parksituation rund um den (verkehrsberuhigten) Ort eine einzige Katastrophe ist. Uns dem Ort vom Wasser her zu nähern schien uns deshalb die bessere Idee zu sein. Es war allerdings gar nicht so einfach, eine kürzere Tour zu finden – die wurden zwar auch an unserer Promenade überall auf Schildern beworben, aber wenn man nachgefragt hat, wurde immer ausschließlich die lange Tour tatsächlich angeboten. Im Internet wurde Martin aber schließlich fündig und so haben wir uns Tickets für eine zweistündige Tour nach Perast und auf die direkt davorliegende Mini-Insel Gospa od Škrpjela (Maria vom Felsen) gebucht. Und das war wirklich eine sehr schöne Tour. Anfangs war der Himmel noch bewölkt, aber dann riss es auf und bei strahlendem Sonnenschein war das ein prima Erlebnis. Jonathan war anfangs noch sehr skeptisch, fand aber dann auch großen Gefallen an dem Trip und war hin und weg, weil ihn der Kapitän sogar kurz bei voller Fahrt (60 km/h!) ans Steuerrad gelassen hat und ihn dabei gefilmt hat – ein Video, auf das er mehr als stolz ist. Die Kirche auf Gospa od Škrpjela haben wir nur von außen angeschaut und in Perast sind wir in den 35 Minuten, die wir vor Ort hatten, durch die Gässlein und an der Promenade entlang gebummelt. Angesichts des Parkchaos vor Ort hätte ich es ja sogar voller erwartet, aber es war ziemlich okay. Ein schöner Bootsausflug war das also.



Nachmittags waren die Kinder und ich dann nochmal im Meer und abends haben wir uns ins Getümmel der Bokeška noć (Boka Nacht) geworfen. Das ist ein jährlich stattfindendes Stadt-Festival, bei dem im Hafen dekorierte Boote in einem Wettbewerb ums schönste Boot gegeneinander antreten, in den Straßen der Altstadt Musik gespielt wird und es ein Feuerwerk gibt. Unser Vermieter hatte uns das zum Glück geschrieben, sonst hätten wir es gar nicht mitbekommen. Um 21 Uhr ging es los und wir haben um halb 9 grade noch einen Platz in der ersten Reihe am Hafen bekommen. Das Warten auf den Start zog sich dann etwas und auch insgesamt war es ohne die Moderation verstehen zu können, ein bisschen eintönig. Aber einige der Boote waren schon hübsch und einfallsreich geschmückt. Danach sind wir noch einmal durch die Altstadt gegangen und dann mit den übermüdeten Kindern zurück Richtung Wohnung. Grade als wir wieder bei unserer Promenade angekommen waren, ging das Feuerwerk los, das vor der Bucht wirklich sehr eindrucksvoll aussah.



Und das war es mit Kotor, in dem wir eine wirklich gute Zeit hatten. Es ist trotz Autochaos und Touristenüberfülle einfach eine sehr schöne Stadt. Als nächstes gibt es nun Kontrastprogramm in den Bergen – es geht in den Durmitor Nationalpark im Norden Montenegros.