Von türkisen Gletscherseen, atemberaubenden Hochalpinwanderungen und tiefen Schluchten
Von Kotor ging es also in den Norden Montenegros, erst noch einmal an der schönen Bucht entlang, dann hinauf in die hohen Berge, die dann auch bis zum Ziel nicht mehr aufhörten. Einen Mittagsessensstopp gab es in der Floyd Food Factory, einem sehr schönen Restaurant, das direkt an der Straße liegt, aber zugleich mitten im Grünen. Da gab es leckeres Essen, wobei wir schön langsam mal wieder die Nase ein bisschen voll haben von Ćevapi und Forelle und es aber leider meistens nicht so arg viel Alternativen dazu gibt. Es war aber trotzdem ein sehr schöner Mittagessensstopp und danach ging es über sehr viele Serpentinen weiter nach Žabljak, dem touristischen Zentrum des Durmitor Nationalparks.



Da bzw. ein paar Kilometer davor haben wir uns für vier Nächte ein Häuschen gebucht. Das haben wir problemlos gefunden, allerdings entsprach es nicht ganz dem, was ich nach der Booking-Beschreibung und den sehr guten Bewertungen dort erwartet hätte. Zum einen lag es recht nah an der doch viel befahrenen M6 und zum anderen war die Ausstattung ziemlich spartanisch (kein Spülmittel, keine Mülltüten, kein Schneidebrett, kein Sieb, keine Untersetzer, keine Kochlöffel etc.) und teilweise auch etwas in die Jahre gekommen. Wir haben uns dann aber ganz gut eingerichtet und es ließ sich schon aushalten, wenn es auch nicht meine Lieblingsunterkunft war. Aber es gab schöne dicke Decken und die waren wichtig, denn nachts fiel das Thermometer auf acht Grad. Durch den Wald kann man auch in einer Dreiviertelstunde nach Žabljak laufen, was wir am ersten Nachmittag dann noch gemacht haben.



Am nächsten Tag ging es dann richtig los mit dem Erkunden der Umgebung und wir haben uns auf den Weg zum Crno jezero (Schwarzer See) gemacht, einem Gletschersee (bzw. zwei direkt nebeneinanderliegende Seen) ein paar Kilometer von Žabljak entfernt. Das Wetter war morgens noch ein bisschen bewölkt gewesen, aber bis wir endlich loskamen und uns in der Bäckerei in Žabljak mit Burek eingedeckt hatten, war der Himmel schon blau. Der Weg führte zunächst durch den Wald. Der asphaltierte Hauptweg war recht voll, aber es gibt mehrere parallel verlaufende Waldpfade, auf denen niemand unterwegs war. Am See angekommen war ich dann hin und weg. Von wegen schwarzer See, der See war umwerfend und vollkommen strahlend türkis und ich konnte mich gar nicht sattsehen. Wir haben dann beide Seen umrundet, wobei der Weg am großen See entlang immer am Ufer und in der Sonne verlaufen ist und der Weg am kleinen See durch den Wald. Am kleinen See haben die Kinder und ich dann auch noch einen Badestopp eingelegt, was dank relativer Windstille und strahlendem Sonnenschein auch bei 19 Grad gut ging und wunderschön war. Durch den Wald ging es dann zurück zum Ausgangspunkt.



Am nächsten Tag wollten wir dann einen Teil des südlichen Durmitor-Rings abfahren, einer insgesamt etwa 80 Kilometer langen Panoramastraße, und sind dafür der P14 Richtung Westen gefolgt. Die Straße ist gut befahrbar, allerdings schon immer wieder recht schmal, was ich bei Gegenverkehr vor allem auf dem Rückweg, als der Abgrund auf unserer Seite lag, ein bisschen nervenaufreibend fand. Dafür ist die Aussicht zu allen Seiten ganz wunderbar und bleibt sicherlich auch auf den Teilen so, die wir nicht gesehen haben. Schon nach etwa zehn Minuten kam die erste ganz großartige Aussichtsstelle, an der wir gepicknickt haben. Dann ging es über den Sedlo-Pass, mit 1907 Metern der höchste Pass Montenegros. Und von da aus dann noch ein bisschen weiter bis zum nächsten Aussichtspunkt (an dem ein riesiger Holzrahmen steht, durch den man den Sedlo-Pass fotografieren kann), wo wir unser Auto geparkt haben, um zu einer Rundwanderung aufzubrechen, die Martin auf Komoot gebastelt hatte. Das Wetter war wieder sehr sonnig und mit 20 Grad nahezu perfektes Wanderwetter.



Um die zur Rundwanderung zu machen, sind wir erstmal noch etwa 400 Meter zu Fuß der P14 gefolgt und dann recht querfeldein den Hang hinaufgeklettert. Dieses erste Stück fand ich nicht so toll, oben angekommen, wurde es dann aber zu einer der atemberaubendsten Wanderungen, die ich je gemacht habe. In alle Richtungen war der Blick auf die Berge wunderschön und immer wieder eröffnete sich der Blick auf neue Täler und neue Gipfel. Wir haben in den ersten zwei Stunden niemanden getroffen, erst ab dem Škrčko Ždrijelo Pass, mit 2114 Metern dem höchsten Punkt unserer Wanderung, waren dann auch andere Leute unterwegs, weil das auch der Weg auf den Bobotov Kuk war, der mit 2522 Metern der höchste Berg des Durmitors ist. Den Pass haben wir dann mit unseren letzten Kräften stolz erklommen, da nochmal Pause gemacht und uns dann an den recht steilen Abstieg zurück zum Parkplatz gemacht. Wir haben für die sechs Kilometer und 400 Höhenmeter mit vielen Pausen etwa vier Stunden gebraucht und ich bin sehr dankbar, dass unsere Kinder solche Wanderungen mitmachen und sogar auch selbst toll finden. (Auch wenn man Jonathan alle zwei Minuten aufs Neue ermahnen muss, doch bitte auf dem Weg zu bleiben, nicht zu hüpfen, nicht gegen Steine zu treten etc.)



An unserem letzten Tag im Durmitor Nationalpark wollten wir uns die Tara-Schlucht näher ansehen. Die Tara-Schucht ist der tiefste Canyon Europas – wobei ich zugeben muss, dass ich vor der Planung dieser Reise noch nie von ihr gehört hatte. Von oben kann man sie gut vom Ćurevac sehen, einem Berg in der Nähe von Žabljak. Nachdem wir uns in Žabljak in der sehr empfehlenswerten Bäckerei Shambhala mit Brot, Burek und Zimtschnecken eingedeckt hatten, sind wir einen kleinen Teil des nördlichen Durmitor-Rings gefolgt und dann in die Stichstraße zum Ćurevac-Parkplatz abgebogen. Die Landschaft war hier ganz anders als am Vortag, alles bewaldet. Vom Parkplatz führt dann ein recht entspannter Weg in etwa einer halben Stunde auf den nicht sehr hohen Gipfel (1625 Meter), von dem man aber einen 360°-Blick auf die umgebende Landschaft und eben auch in die Tara-Schlucht hat.



Nach der Wanderung sind wir zur bzw. über die Đurđevića-Tara-Brücke gefahren, neben der Adrenalinjunkies per Zip-Line über die Schlucht sausen. Wir sind kurz nach der Brücke links in Richtung eines alten Klosters abgebogen, weil da auf Google Maps eine Badestelle eingezeichnet war. Die etwa drei Kilometer lange Straße nach unten war recht steil und so schmal, dass wir sehr froh waren, dass uns jeweils kein Auto entgegenkam. Anders als in den Online-Rezensionen ist sie inzwischen aber fast durchgehend geteert und nur ein ganz kleines Stück – wenn auch das steilste – ist noch Schotterstraße. Beim Kloster kann man parken und dann in fünf Minuten zu einer ganz wunderbaren Badestelle laufen. Da waren wir ganz allein, nur ab und zu fuhren ein paar Rafting-Boote vorbei oder es flog jemand an einer Zip-Line hoch über unseren Köpfen (und in einiger Entfernung) hinweg. Wir sind auf den Felsen herumgeklettert und in der eiskalten Tara geschwommen, was ein wirklich tolles Erlebnis war. Gegen Abend ging es dann in 35 Minuten zurück zu unserem Häuschen.



Und damit war unsere Zeit im Durmitor-Nationalpark dann auch vorbei. Die Gegend hat wirklich unglaublich viel zu bieten und meine Erwartungen bei Weitem übertroffen. Unser nächstes Ziel lag ganz im Süden des Landes – in Ulcinj bzw. auf der Ada Bojana, einer Insel in der Bojana / Buna.