Vom Strandleben auf der Insel im Fluss
Vom Durmitor Nationalpark ganz im Norden Montenegros ging es nun also ans andere Ende des Landes ganz in den Südwesten. Da liegt südlich von Ulcinj die Ada Bojana, eine Insel in der sich kurz vor dem Meer in zwei Flussläufe aufteilenden Bojana / Buna, die dann auch die Grenze zu Albanien bildet. Der Weg dorthin war recht weit, wir waren fast vier Stunden unterwegs. Zuerst ging es nochmal über viele Serpentinen durch die Berge – da waren wir sehr froh als ein vor uns fahrender Pickup, auf dessen Ladefläche mit Spanngurten vier große Baumstämme festgezurrt waren, endlich abgebogen war. Dann folgte ein relativ flaches Stück durch eher langweilige Landschaft rund um die Hauptstadt Podgorica und anschließend ging es am Skadarsee / Shkodrasee in Richtung Küste. Wir haben die Fahrt für einen Mittagessensstop im Restaurant Obala unterbrochen. Da saß man wunderschön am Wasser und es gab sehr guten Fisch – die Spezialität ist Karpfen –, allerdings waren die Kinder leider sehr zänkisch. Einen weiteren kurzen Stopp haben wir kurz vorm Ziel am 12 Kilometer langen Sandstrand Velika plaža gemacht. Da sah es aus wie an den (besseren) albanischen Stränden – viele Strandrestaurants mit Liegen und Sonnenschirmen, aber davor und drumherum auch viel freie Fläche.



Gegen 16 Uhr waren wir dann an unserer neuen Unterkunft für die nächsten drei Tage angekommen – einem Bungalow auf der Ada Bojana mit Terrasse am Fluss. Den hatte ich bei Booking entdeckt und mich sofort verliebt. Und er war dann auch tatsächlich so schön, wie ich es erhofft hatte. Es gibt eine große teilüberdachte Terrasse mit Esstisch, Liegestühlen und Outdoor-Küche, von der aus man direkt in den Fluss springen konnte. Am ganzen Fluss sind auf beiden Seiten solche Bungalows. Die Stimmung war sehr nett und gemütlich und ich kann mich nicht erinnern, schon mal in einem ähnlichen Setting gewohnt zu haben, zumindest nicht in Europa. Es war wirklich sehr besonders – zumindest solange sich die Nachbarn sozialverträglich benommen haben. Uns gegenüber waren zeitweise nervige Jetskifahrer und nebenan wurde an einem Nachmittag eine Party mit lauter Musik und vielen Leuten gefeiert – zum Glück war die dann aber nach wenigen Stunden wieder vorbei. Abends war es sehr schön, auf den Fluss und all die beleuchteten Häuschen zu schauen.



Nach den actionreichen Tagen in Kotor und im Durmitor Nationalpark war nun also ausruhen und entspannen angesagt. Wir haben gebadet, gespielt und gelesen und sind mit dem ebenfalls zum Bungalow gehörenden Boot gefahren. Den Motor haben wir leider trotz Videotelefonhilfestellung durch den fachkundigen Opa nicht zum Laufen gebracht, aber dafür gab es einen kleinen Ruderausflug, der die Kinder auch begeistert hat. Sie haben auf dem Boot zudem ausführlich Piraten gespielt. In den ersten eineinhalb Tagen war das Wetter bestens, der zweite ganze Tag leider fast vollkommen verregnet. Aber auch da konnte man sich dank der Überdachung immerhin gut draußen aufhalten.



Zum Meer konnte man in etwa fünf Minuten über einen Holzbohlenweg laufen. Ausführlich haben wir es gar nicht genutzt, weil es auf der Terrasse einfach viel schöner war, aber abends haben wir jeweils Strandausflüge gemacht und die Kinder sind durch die Wellen gehüpft und haben sich im dunklen Sand gewälzt – zweimal musste ich Sophie die Haare waschen, um den Sand wieder herauszubekommen. Der Strand war schön, aber leider lag auch ganz schön viel Müll herum. Auf unserer Seite war der Strandspaziergang auch nicht allzu lang, weil dann ein FKK-Strand das Weiterlaufen mit Bekleidung untersagte – nur am Regentag war es so kühl, dass wir da mit unseren Klamotten nicht weiter auffielen. Auf die 12-Kilometer-Strand-Seite konnte man von unserer Flussseite nicht so leicht kommen, dafür hätte man entweder eine halbe Stunde laufen oder ein Stück weit mit dem Auto fahren müssen. Nachdem aber die Brücke auf die Ada Bojana einspurig ist und deshalb das Drüberfahren immer ein bisschen ein Glücksspiel ist (derjenige, der noch nicht bei der Mitte angekommen ist und / oder weniger Autos hinter sich hat, muss rückwärts wieder runterfahren), wollten wir uns das lieber ersparen. Für die abendlichen Ausflüge reichte aber auch unsere Meerseite.



Am letzten Morgen war der Flusspegel nach nächtlichen Regenfällen deutlich höher als am Vortag, aber das Wetter immerhin wieder besser. Nachdem wir netterweise erst um 12 Uhr auschecken mussten, blieb noch Zeit, um nochmal ins Wasser zu springen und ganz geruhsam zu packen. Unsere Fahrt heute ist kurz und wird uns in nur eineinhalb Stunden auf einen Campingplatz auf der albanischen Seite des Shkodrasees bringen.