Amman, Umm Qais und Jerash

Von dem unfreiwillig langen Aufenthalt in Amman und noch mehr römischen Ruinen

 

Von Madaba wollten wir einen Tagesausflug nach Jerash machen, wo es Ruinen einer alten römischen Stadt zu besichtigen gibt, und dann am Abend das Auto am Flughafen südlich von Amman zurückgeben. Soweit der Plan. Am Morgen ging es aber Martin nicht gut, wahrscheinlich den Magen verdorben (und das, obwohl wir am Vorabend in einem der besseren Restaurants von Madaba Essen waren). Trotzdem musste ja das Auto zurück. Also sind wir direkt zum Flughafen gefahren und haben da dann auch nach mehreren Runden über den Platz den Ort gefunden, wo man das Auto zurückgeben konnte (woher sollte man auch wissen, dass man durch die Schranke mit der Aufschrift „authorized only“ fahren muss).

 

AmmanMit dem Taxi ging es dann in die Stadt, wo ich sofort (und dann noch unzählige weitere Male in den nächsten beiden Tagen) wahnsinnig froh war, dass wir uns vorher entschlossen hatten, in Amman nicht Auto zu fahren. Die spinnen! Überall sonst war es völlig ok zu fahren, aber in Amman fahren sie wie die Wahnsinnigen. Wir sind in unser vorgebuchtes Hotel gefahren (Farah Hotel), das aber als einzige unserer Unterkünfte in Jordanien nicht besonders toll war. Die Beschreibung im Reiseführer hatte von einem „schattigen Garten“ gesprochen und von einer Dachterasse, aber tatsächlichRoemisches Theater in Amman gab es keines davon. Die Zimmer waren ok, aber nicht toll. Immerhin ruhig war es, aber trotzdem kein Ort, an dem man sich wahnsinnig gerne lange aufhalten wollte. Aber wir hatten ja eigentlich auch vorgehabt, nur eine Nacht zu bleiben. Nachdem wir nun aber überraschend einen Nachmittag in Amman hatten, bin ich mir die Innenstadt anschauen gegangen, was wir eigentlich gar nicht eingeplant hatten. Aber tatsächlich hat Amman neben allem Straßenchaos auch ein paar ganz hübsche Sehenswürdigkeiten, vor allem ein wahnsinnig riesiges römisches Theater und die so genannte Zitadelle, ein Areal auf einem der Hügel Altes muslimisches Gebaeude auf der Zitadellevon Amman, auf dem sich Überreste aus ptolemäischer, römischer und früh-muslimischer Zeit finden. Das war also ganz nett, wobei es schon ein wenig seltsam war, allein durch die Straßen zu laufen. Schnell gelernt habe ich, dass man jordanische Männer auf keinen Fall anschauen darf, weil sie sich sonst zu einem Gespräch oder Kommentar aufgefordert sehen. Wir wurden auch viel angesprochen, als wir zusammen unterwegs waren (und zwar meistens durchaus freundlich), aber allein war es nochmal eine Nummer intensiver. Wobei man fairerweise sagen muss, dass jordanische Männer nur sehr selten wirklich aufdringlich oder anzüglich sind und wenn doch, dann eher die im Teenageralter, die eben bescheuert sind, so wie alle Jugendlichen auf der Welt. Trotzdem war es ein bisschen doof so alleine, vor allem, weil ich auch nicht allein Essen gehen wollte und mich deshalb zwei Tage lang nur von Falafel ernährt habe (der Falafelverkäufer kannte mich dann schon, als ich den 5. Falafel bei ihm gekauft hab und hat mir immer ein Kichererbsenbällchen extra geschenkt). Interessant war, dass ich erst in Amman gemerkt habe, was eine Flasche Wasser oder ein Falafel tatsächlich kostet. Zuvor waren wir ja ausschließlich an touristischen Orten unterwegs und da war es teuer und auf einmal gab es einen Falafel für 40 Cent.

 

Blick von Umm Qais auf den See GenezarethFür den nächsten Morgen hatten wir eigentlich Tickets für einen Bus nach Nazareth reserviert, von wo aus wir weiter nach Haifa wollten. Es war dann aber bald klar, dass Martin dafür nicht fit genug gewesen wäre und ich mir irgendwie überlegen musste, wie ich denn einen weiteren Tag in Amman rumbringen könnte. Amman war wirklich der einzige Ort in ganz Jordanien, an dem das ein Problem war, überall sonst gab es tolle Unterkünfte und Sehenswürdigkeiten. Blöder Zufall. Das Hostel bot zwar Touren zu verschiedenen Orten an, aber die fanden erst ab vier Personen statt und irgendwie war Theater in Umm Qaisniemand eingetragen. Ich hatte dann schon (wenig freudig) eine teure Privatfahrt nach Jerash vereinbart, um irgendetwas vorzuhaben, als sich beim Frühstück spontan doch noch zwei Französinnen angeschlossen haben und zu dritt konnten wir dann den notwendigen vierten Platz zusätzlich bezahlen. Die konnten zwar kaum Englisch, aber immerhin war ich nicht allein. Und zu der Tour gehörten dann auch noch zwei andere Orte und das war dann natürlich gut. Zuerst ging die Fahrt nach Umm Qais, das ist ganz im Nordwesten von Jordanien, etwa zweieinhalb Stunden von Amman. Da soll Jesus Dämonen aus Männern vertrieben und in Schweine fahren haben lassen. Ganz konkret gibt es aber auch Ruinen aus römischer und osmanischer Zeit aus schwarzem Basalt. Und außerdem einen tollen Blick auf den See Genezareth, denn Israel ist nur ein paar Kilometer weit weg. Ebenfalls nur wenige Kilometer entfernt in die andere Richtung ist Syrien. Und da auf dem Hügel in der Sonne zu stehen und auf Syrien zu schauen, war schon ein sehr seltsames Gefühl. In der Grenzgegend stehen auch einige Zelte der Flüchtlingshilfe der Vereinten Nationen herum. Die, die ich gesehen habe, waren aber alle leer.

 

Ovales Forum in JerashVon Umm Qais ging es weiter zur Burg Ajloun, die einer der Neffen Saladins (das ist derjenige, der die Hauptstraße in Jerashganzen Burgen und Jerusalem von den Kreuzrittern zurückerobert hat) im 12. Jhd. gebaut hat. War aber im Vergleich zu Shobak oder Kerak eher unspektakulär. Das Highlight des Tages war aber dann der Besuch von Jerash, einer vor 2000 Jahren gegründeten und bis 747 n. Chr. bestehenden Stadt. Die Ruinen dort sind wahnsinnig gut erhalten (bzw. rekonstruiert), sodass man sich das Ausmaß und das Leben dort recht gut vorstellen kann. Ein bisschen wie in Pompeji war das, wenn auch nicht ganz so überwältigend wie Pompeji. Da bin ich dann also zwei Stunden herumgelaufen, was aber eigentlich zu kurz ist. Ich mag Touren wirklich ganz und gar nicht, nie hat man genug Zeit, sich alles in Ruhe anzukucken. Aber Jerash war trotzdem natürlich ziemlich beeindruckend. Nun reicht es so langsam allerdings wohl trotzdem mit jordanischen Ruinen, das waren jetzt auch die letzten, versprochen.

 

Am nächsten Morgen konnten wir dann Amman zum Glück verlassen. Aus Jordanien bin ich allerdings mit einem sehr weinenden Auge ausgereist, denn es war wirklich eines der beeindruckendsten Länder, in denen ich bisher war. Aber trotzdem freue ich mich natürlich auf Israel, auf nach Haifa!

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