Von Hohoe nach Tamale

Vom langen Reisen auf steinigen Wegen

 

Am Mittwoch sind wir dann aus Hohoe aufgebrochen, um uns auf den langen Weg nach Norden zu machen. Dazu muss man vielleicht sagen, dass dieser Weg nach Norden ein nichttouristisch genutzter ist, denn der eigentliche Weg verlaeuft von Accra ueber Kumasi nach Norden. Aber nachdem wir dann schonmal bis Hohoe waren, wollten wir nicht wieder zurueck nach Accra und prinzipiell ist es ja auch sehr spannend, Teile des Landes zu sehen, die absolut untouristisch sind.

 

Und untourististisch und spannend war es tatsaechlich, dafuer aber auch sehr sehr anstrengend. Wir haben zwei Tage lang keinen einzigen anderen Weissen gesehen (nicht, dass sonst viele da waeren, aber so ab und an sieht man dann doch mal jemanden) und haben dafuer sehr viele Kinder erfreut, die aus dem Winken und „Obruni, obruni“ („Weisse, Weisse“) – Schreien, gar nicht mehr herauskamen. Leider gibt es von diesen zwei Tagen kaum Fotos, weil das einfach nicht geht in so voellig unerschlossenen Gebieten. Man kommt sich eh schon immer bloed vor, wenn man die Kamera herauszieht und ich kann einfach keine Menschen fotografieren, die vor ihren Lehmhuetten sitzen und gar nicht wuessten, wie ihnen geschieht. Seltsamerweise kam mir die Szenerie vor, wie schon sehr oft gesehen, obwohl ich solche einfachen Huetten (aus Lehm, Holz oder Wellblech) auch in Kenia oder Tansania nicht gesehen habe. Vermutlich, weil man solche Bilder dauernd in den Nachrichten sieht, wenn es wieder um Duerren und Hungersnoete geht. Wobei die Menschen hier zum Glueck nicht hungern – es ist/war gerade Regenzeit und alles ist gruen. Essen haben sie also und ein Dach ueber dem Kopf, aber sonst halt nicht viel.

 

NkwantaWir sind am ersten Tag von Hohoe nach Nkwanta gefahren. Das hat etwa dreieinhalb Stunden gedauert, wovon die ersten zwei noch ueber geteerte Strasse gefuehrt haben, der Rest dann ueber ungeteerte Piste. In Nkwanta wollten wir eigentlich zwei MangobaumNaechte bleiben und noch in einem nahen Nationalpark wandern gehen, aber nachdem Martins Schuhe noch von den Wli-Wasserfaellen nass waren, haben wir das dann ausfallen lassen und sind direkt am naechsten Tag weitergefahren. Nkwanta ist ein kleines Dorf, in dem es nichts weiter gibt. Wir sind die drei Strassen auf und ab gelaufen und haben Mangos und Tomaten gekauft. Das Hotel (Kilimandjaro Hotel) war nicht so toll. Es hatte zwar einen huebschen Innenhof, aber die Zimmer waren feucht und klamm und so war ich nicht so traurig, da nicht noch eine Nacht bleiben zu muessen. Als Abendessen wurde uns im hoteleigenen Restaurant, das den Charme eines Sportheims noch um vieles unterbieten konnte, die Wahl zwischen „plain rice with chicken“ und „fried rice with chicken“ gelassen, wobei man fairerweise sagen muss, dass das Essen dann sogar recht gut war. Und vor dem Restaurant gab es einen Mangobaum – hatte ich auch noch nie gesehen.

 

Am Donnerstag sind wir dann also weitergereist und das war der anstrengendste Tag bisher. Eigentlich war es sogar ziemlich irre. Wir waren Schotterpiste ohne Schlagloecher (bei Hohoe)insgesamt 14 Stunden in 5 verschiedenen Fahrzeugen unterwegs, davon nur zwei Stunden auf geteerter Strasse und den Rest auf Buckelpiste mit teilweise 50 cm tiefen Schlag- und Schlammloechern. Anfangs fand ich es noch recht faszinierend, irgendwann wollte ich dann nur noch ankommen. Um 8 Uhr morgens sind wir in Nkwanta aufgebrochen und ein Auto (hier passen in einen PKW 10 Leute) hat uns nach Kpaso gebracht. Die zweite Strecke im Jeep waere recht komfortabel gewesen, wenn hier nicht grundsaetzlich auf drei Autositzen vier Leute sitzen wuerden. Das furchtbarste Stueck war das dritte Stueck von Damanko nach Bimbilla, auf dem wir mit insgesamt 16 Leuten auf der Ladeflaeche eines Mini-Trucks sitzen mussten und zwar auf Kisten auf dem Boden zwischen ganz vielen anderen Leuten. Dafuer waren da die Leute sehr nett und haben uns Essen abgegeben, so eine Art fritierten Quark/Kaese, der recht lecker ist. Danach haben wir dann beschlossen, dass es auch schon wurscht ist und sind weitergefahren, was im Nachhinein ziemlich bloed war. Wir haetten lieber noch eine Nacht in Bimbilla schlafen sollen. Aber gut. Das vierte Gefaehrt war dann ein Bus von Bimbilla nach Yendi, der ok war, dafuer war die Piste hier so holprig, das es ein Graus war. Ausserdem wurde es langsam dunkel. Fuenf Minuten bevor es finster wurde, haben wir geteerte Strasse erreicht und ich war sehr froh. In Yendi wollte ich dann eigentlich bleiben, aber das Hotel dort war eine Zumutung, sodass wir dann doch noch gleich mit dem letzten Bus nach Tamale weitergefahren sind. Da waren wir dann um 10 Uhr abends – natuerlich hatten wir eine Viertelstunde vor dem Ziel dann noch eine Panne (Martins Diagnose ist, dass die Antriebswelle abgefallen ist). Das haben sie dann aber erstaunlich schnell gerichtet und zu dem Zeitpunkt fand ich es dann auch schon fast wieder lustig, im Dunkeln mitten im afrikanischen Nirgendwo zu stehen. Nach kurzer Taxifahrt sind wir dann gut im Catholic Guesthouse angekommen. Da ist es ganz nett, es gibt einen schoenen gruenen Garten mit Bar.

 

Fazit ist, dass ich das so nicht nochmal machen wuerde, aber es trotzdem interessant war, dieseEines der wenigen (unscharfen) Fotos von Menschenn Einblick in ein komplett laendliches Ghana zu bekommen. Irgendwann nahmen die englischen Sprachkenntnisse der Mitreisenden auch rapide ab (Englisch ist eigentlich Landessprache, wird aber nur von den gebildeteren 60% der Bevoelkerung gesprochen – wobei das auch kein Englisch im eigentlichen Sinne ist, sondern meist eher ein „Pidgin-Englisch“, das man oft nur mit Glueck versteht). Die Landschaft hat sich zwischendurch sehr geaendert – von gruenen Bergen zu (auch zumindest im Moment gruener) Steppenlandschaft. Die Lehmhuetten sind hier im Norden nun rund und nicht mehr eckig und ausserdem ist der Norden muslimisch und es gibt viele Moscheen, wohingehend der Sueden sehr christlich war.

 

Nun sind wir also in Tamale und erholen uns und werden da auch bis Sonntag noch bleiben.

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